Die Verbindung von Geist, Seele und Surfen ist einzigartig. Völlig egal, ob du Beginner, Intermediate oder ProSurfer bist – jeder Surfer kennt das besondere Gefühl, das einem nach dem Surfen durchflutet. Manche nennen es “stoked”, ich möchte der Sache aber noch mehr auf den Grund gehen und hinterfragen ob Surfen eine Religion ist!

 

Woher kommt diese besondere Verbindung zum Meer?

Seitdem Menschen existieren, haben wir eine besondere Beziehung zu dem Element Wasser. Kein Wunder, denn unser Körper besteht zu 70% aus Wasser und unsere ersten neun Monate als menschliches Wesen verbringen wir in der wohlbehüteten Gebärmutter unser Mutter, wo wir im Fruchtwasser leben und heranwachsen. Eine Tatsache, die mich schon immer sehr fasziniert hat.

Daher ist es auch gar nicht verwunderlich, dass einige Surfer sagen, sie spüren eine tiefe Verbindung zum Wasser bzw. Meer. Ich zähle mich auch dazu!

Mittlerweile bin ich ein Junkie geworden, im positiven Sinne. Ich habe mein Leben nach dem Meer ausgerichtet. Wasser hat eine großen Einfluss auf meine Stimmung. Sobald ich es auf meiner Haut spüre, rieche oder auch nur sehe, löst es in mir eine Ruhe aus und meine Gedanken entspannen sich.

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Auch kulturell hat das Wasser eine bedeutende Wirkung und findet sich in archetypischen und religiösen Symbolen wieder.

Lass uns also gemeinsam der Frage auf den Grund gehen, warum Surfen eine spirituelle Erfahrung sein kann.

 

Kann Surfen eine spirituelle Erfahrung sein?

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© Photo by Jordan Sanchez on Unsplash

Das Surfen, wie wir es jetzt kennen, ist Ende der 50er Jahre entstanden, aber es ist allgemein bekannt, dass das Surfen seinen Ursprung vor 800 Jahren auf Hawaii hatte. Der “Sport der Könige” wurde von den Stammesanführern zelebriert und sie erlebten schon damals die magischen Momente der nackten Verbindung mit dem Urelement Wasser.

Heute, wie damals, beschreiben einige das Surfen als heilige Erfahrung. In der religiösen Symbolik ist Wasser eines der größten Darstellungen von Leben und Energie. Es ist ein Symbol für Gottes Gegenwart.
Manche sagen, es gibt kaum einen besseren Weg, Gottes Gegenwart zu spüren, als mitten im Meer durch eine Welle hindurch zu tauchen.

Im Meer begegne ich dieser höheren, besonderen Kraft/Energie und betrete sein flüssiges Reich verwundbar, aber mit mutigem und offenem Herzen. Das Meer atmet und verändert seine Stimmung mit dem Mond, erzeugt Wellen und Stürme und erschafft Momente der Stille, sehr ähnlich wie mein inneres Selbst.

Es verbindet mich sofort mit der Quelle, jedes Mal wenn ich meinen Kopf durch das salzige Wasser tauche.In diesen Momenten verschwindet mein Ego und mein Geist verschmilzt mit der Gegenwart. Das Surfbrett ist eine Art Verbindung oder Transmitter zwischen mir und dem Meer. Durch das Brett kann ich über das Wasser schweben bzw. über das Wasser laufen. Wenn ich eine Welle erwische, dann löse ich mich vollständig auf und werde ein Teil des Ganzen.

 

Meine eigene spirituelle Reise

Ich bin getauft und christlich bzw. katholisch erzogen worden und in meiner Kindheit war die christliche Religion sehr präsent. Der regelmäßige sonntägige Besuch in der Kirche gehörte ebenso dazu wie ein Tischgebet vor dem Essen. Ich habe das in dieser Zeit nicht wirklich sonderlich hinterfragt. Als Teenager habe ich dann immer weiter dagegen rebelliert, bin nicht mehr in die Kirche gegangen und mit 19 bin ich schlussendlich sogar aus selbiger ausgetreten.

Ich konnte mit dem ganzen Modell “Kirche” nicht viel anfangen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert…aber ich glaube, dass es mehr gibt als nur das, was ich mit meinem Auge sehen und mein Verstand begreifen kann.

Allerdings habe ich ein großes Problem mit der Vermenschlichung von Gott – einem alten Mann mit langem Bart, der im Himmel auf einer Wolke sitzt und auf uns Menschen herabschaut. Für mich existiert das Göttliche in einer Muschel, einem Sandkorn, Plankton, einem Delfin oder in dem Surfer, der mit mir auf die nächste Welle wartet.

 

Was sind Soulsurfer?

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© Photo by Luke Dahlgren on Unsplash

Für Soulsurfer ist Surfen mehr als nur Wellenreiten. Es ist ein Lebensstil, der sie ihrem inneren Selbst näher bringt. Der Rhythmus des Meeres wird mit dem Rhythmus des Körpers verglichen: Es existiert ein natürlicher Fluss zwischen Körper, Geist und Natur. Nichts ist voneinander getrennt.

Auch ich würde mich als Soulsurfer bezeichnen, denn Surfen ist für mich so viel mehr als nur Wellenreiten!

Die unbändige Kraft und Unberechenbarkeit des Meeres lehrt mich die Bedeutung von Akzeptanz, Geduld und die Wertschätzung der natürlichen Schönheit. Wenn ich eine Welle erwische, bleibt meine Welt stehen. Ich erfahre den Moment absolut bewusst, voller Freude, innerer Gelassenheit und in völliger Harmonie mit der ganzen Welt um mich herum.

Es ist ein Moment der Glückseligkeit.eine alltäglichen Sorgen sind weit weg und ich bin mein reinstes Ich, die Essenz meines Herzens. In diesem Moment bestehe ich nur aus Liebe und folge der Bewegung der Natur.

Ich will es nicht Religion nennen, denn Religionen haben viel Angst, Schmerz und Krieg hervorgebracht, aber Surfen ist definitiv eine Art von tiefer spiritueller Verbindung, die ich zum Wasser habe.

 

Surfen macht dich deiner Selbst und der Natur bewusster

Surfen macht dich deiner Selbst und der Natur bewusster Hinsichtlich unseres immer hektischer werdenden Lebens ist es unvorstellbar schwer, jeden Tag bewusst und lebendig zu bleiben. Oft laufen wir nur noch im Autopilot und sind weit entfernt von einem bewussten und achtsamen Leben – und damit auch entfernt und entfremdet von Körper und Seele. Und Surfen kann das ändern!

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Die Zeit, in der du im Meer sitzt und auf die nächste Welle wartest, ist eine wunderbare Zeit, die Augen zu schließen, ein paar tiefe Atemzüge zu nehmen und dankbar zu sein. Solche Momente sind randvoll mit wahrer Schönheit und Ruhe. Das Meer wäscht deinen Stress und all deine Emotionen im wahrsten Sinne von dir ab.

Surfen hat für mich etwas Sinnliches und sehr Weibliches. Manchmal ist eine Surfsession sogar transformierend und heilend für mich.

Surfen ist für mich eine aktive Meditation und gute Achtsamkeitsübung.

Das Gefühl, was sich nach einer Surfsession in mir ausbreitet, völlig egal, ob sie“erfolgreich” war oder nicht, ist einmalig und immer wieder etwas sehr Besonderes. Wenn ich das Wasser verlasse, verspüre ich das tiefe Wissen, mit etwas verbunden zu sein. Ich kann es schwer in Worte fassen, aber ich fühle mich als Teil des kollektiven Bewusstsein. Ich war Teil eines wundervollen Orchesters und der göttliche Dirigent existierte irgendwo innerhalb des Ozeans.

Sehr ähnliche Erfahrungen habe ich z.B noch beim Sex oder wenn ich zu elektronischer Musik tanze. Als würde ich etwas über der Erde schweben und mich mehr mit der Welt verbunden fühlen.

 

Willst du mehr von anderen Soulsurfer über deren spirituelle Veränderung erfahren? Dann kann ich dir diese Bücher sehr ans Herz legen!

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Surfing Buddha: Der Ozean und die Welle des Zen 

West Of Jesus – Wellenreiten, Wissenschaft und die Wurzeln des Glaubens

Eddie Would Go – Die Geschichte von Eddie Aikau, Hawaiianische Surflegende und Pionier des Big Wave Surfing

 

Hast du ähnliche spirituelle Erfahrungen beim Surfen gemacht? Ist Surfen für dich zu einer Religion geworden? Kannst du meine Gefühle und Erfahrungen nachempfinden? Oder ist Surfen für dich einfach nur eine Art, dich zu bewegen und ein weiterer Outdoor Sport?

 

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Ist Surfen eine Religion?
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Ist Surfen eine Religion?
Zusammenfassung
Die Verbindung von Geist, Seele und Surfen ist einzigartig. Jeder Surfer kennt das besondere Gefühl, das einem nach dem Surfen durchflutet. Manche nennen es “stoked”, ich möchte der Sache aber noch mehr auf den Grund gehen und hinterfragen ob Surfen eine Religion ist!
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Ist Surfen eine Religion?
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Eine Antwort

  1. Yvonne

    Religion und Spiritualität sind für mich zwei unterschiedliche Paar Schuhe. In der Religion (Auslegung, Kult und Ritus) kann eine spirituelle Erfahrung wurzeln, aber sie muss nicht. Eine spirituelle (bewusstseinserweiternde) Erfahrung (so, wie viele Surfer sie erleben) kommt vollständig ohne einen religiösen Überbau aus. Was passiert? Im Wasser befindest Du Dich mit all Deinem Sein, mit all Deiner Aufmerksamkeit absolut im gegenwärtigen Moment. Dein Geist kann nicht „auf Wanderschaft“ gehen, das erlauben die Umstände ja auch überhaupt nicht. Dieses im Hier-und-Jetzt-sein ermöglicht Dir, den Moment im vollen Umfang wahrzunehmen und Verbindung zu allem aufzunehmen, was um Dich ist – und das erzeugt, weil Du allem, was in diesem Moment ist, in vollem Maße zustimmst, so etwas wie eine „Gottes-Erfahrung“ (das Gegenteil davon ist ein sich-wahrnehmen als vollständig isoliert und abgetrennt von allem, inklusive der leidenschaftlichen Ablehnung aller gegenwärtigen Umstände. Jeder, der das schon mal erlebt hat, wird das als „die Hölle“ beschreiben). Menschen, denen diese Verbundenheit auch dann gelingt, wenn die Umstände nicht einladend sind, dürfte man folglich erleuchtet nennen. Bis es soweit ist, bleibt vermutlich noch ein bisschen Zeit auf dem Wasser. 😉

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